Man wuchs zu hoch empor und weiß nicht so recht, ob man eine Wolke ist oder aus der Welt gefallen.
Die Idee, aufsteigend als eine ferne Ahnung, roh noch als Wort.
Und selten fandest du dich in deiner Seele ganz entfaltet: du ahntest ihre endlosen Landschaften, ohne zu erkennen, dass sie die deine sind: noch am entferntesten war stets das dir deine.
Ganz gleich, wie weit ich in der Zeit reise: du erscheinst in der Welt in einer dir eigenen Zeitspanne, so als schiene dein Hiersein einem ganz bestimmten Abschnitt schicksalhaft zugeordnet. Indem ich deiner Gegenwart begegne, werde ich des tiefen Glücks gewahr, dich hier und jetzt lebendig zu wissen.
Was ist erhaben? Das Weite, das Ruhende.
Der Tod: jenes Abstraktum, in dem ich mit allem wieder eins sein werde, was ich auf Erden lieben gelernt habe – doch ohne das Bewusstsein dafür! Kein Ich, das erkennt – nur das einst Erkennende und Erkannte ewiglich vergessen, ewiglich vereint.
Eine Angst, die sich permanent re-inszeniert, da sie einmal, als Antwort auf die nackte Bewusstheit über das Schicksalhafte des Lebens, nämlich als etwas tief Erschütterndes empfunden wurde.
Schreiben, wie ein Blatt im Winde tanzt.
Das Werden empfunden als ein Gefühl der Heiterkeit: das Loslassen, Vergehen, Sich-Neu-Formen.
Der Mensch sieht, was er sieht, ohne das Bewusstsein dafür, dass er sieht und was dieses Sehen eigentlich bedeutet.
Was mich nicht umbringt, macht nicht mich, sondern sich selbst stärker: es erzeugt immer größere Wellen, um mich „umzubringen“.
Meine Grenzen akzeptieren, mich selbst heiter stimmen – für das, was ich [nicht] bin!
Ich weiß nicht, wie man verbirgt.
Seltene, kurze Momente der Einsicht in die eigene Gültigkeit, die nur sich selbst bedarf.
Der gewöhnliche Mensch saugt ohne jegliches Staunen auf, was sich ihm zeigt; es gibt nichts, was nicht alsbald durch den entzaubernden Filter seiner Wahrnehmung sich veralltäglicht.
Sich mit der Sinnlosigkeit des Daseins auseinandersetzen – das gilt als unangebracht, als nutzlos. Dagegen wird uns eine Vielzahl von Sinnangeboten serviert und wir scheinen dazu verdammt, aus diesen Sinn-Paketen zu wählen und zu konsumieren.
Es gibt ein Erwachen nach dem Erwachen: Gewahrwerden des eigentlichen Traums.
Die Zukunft ist offen, die Vergangenheit hingegen, sobald sie geschehen ist, steht fest – und nimmt den »Charakter des Schicksals« an.
Man kann also sagen: unser Leben ist nicht vorgezeichnet, doch alles, was geschieht, bewahrheitet sich als notwendiges Schicksal.
Ich sehe mein früheres Selbst an die Fäden eines Schicksals gebunden.
Was soll das sein, diese „höhere Wahrheit“? Was soll sich verbergen hinter dem Schein? Noch mehr Schein? So viel mehr, dass dadurch es »Sein« werde!?
Ich werde nicht zulassen, dass die Angst das mir bewusst Gewordene vergiftet.
Wer in jedem Menschen unweigerlich das Vergängliche sieht, dem enthüllt sich in jener Bewusstheit das Tragische seines Wesens.
Jenen unter uns, den Feinfühligen, wird diese Einsicht eine tiefe Melancholie auslösen, – doch man kann sagen: Melancholie tritt mit der Akzeptanz beinahe zeitgleich auf, zweifellos als die Ruhe nach dem Sturm, als Folge eines tiefen, überlebten Sturzes, der uns dazu herausfordert, die Natur der Wirklichkeit als das anzunehmen, was sie ist: als etwas Flüchtiges, Traumähnliches, ein Nebel und ein Rätsel, als eine wundersame, höllische, leere, farbenfrohe Erscheinung.
Diese Akzeptanz löst von allzumenschlichen Eigenschaften.
Cioran schreibt: „Die Lebenden – allesamt Verdammte, aber sie wissen es nicht. Bin ich, der es weiß, dadurch weitergekommen? Ja, ich bin es, ich glaube mehr zu leiden als sie“ – und doch weiß Cioran um seine eigene Verdammnis nicht: als ein Verdammter seiner eigenen Skepsis, die alle Lebende als Verdammte zu entlarven meint – denn nichts sonst als etwas „Meinendes“, etwas Perspektivisches ist dieses Denken Cioran’s.
Zügellosigkeit in der Trauer wie in der Liebe ist nach Nietzsche Merkmal einer unedlen Seele.
Dem stimme ich zu, sofern wir Zügellosigkeit hier als Kontrollverlust und als das Fehlen von Selbstbeherrschung verstehen.
Man kann ein Gefühl tief empfinden, ohne dass es ausartet, oder nach Nietzsche: zügellos wird.
Doch je tiefer wir empfinden – oder je bewusster wir werden –, desto wahrscheinlicher wird ein ausartender, ja zügelloser Prozess der Umwandlung sein.
Die Einsicht, dass das Leben an sich sinnlos – und gerade deswegen untragbar – ist, bleibt perspektivistisch, selbst wenn sie aus letzter Konsequenz hervorgeht, denn nicht zuletzt lässt sich der Zweifel selbst ad infinitum anzweifeln, was wiederum zu einem infiniten Regress führt, aufrechterhalten durch die aufdrängende Wertneutralität des Kosmos, die nun durch die Erscheinung des Menschen als wertsetzendes Wesen affiziert, berührt, ja durchbrochen wird: somit mag und darf Leben durchaus und berechtigterweise als etwas Untragbares empfunden werden, – und gleichwohl nicht minder im Recht sind jene, die das Leben als ein Wunder begreifen, das Staunen und Freude auslöst.
Ich fühle, etwas Tiefgreifendes zu verlieren, was mein Verhältnis zum Leben angeht. Die Angst, die ich dabei empfinde, ist das eigentlich Tückische. Denn fatalerweise bestärkt sie mich in meiner Ansicht oder meinem Empfinden darin, tatsächlich etwas zu verlieren, was jedoch keineswegs der Wahrheit entsprechen muss. Insofern kann das Angstgefühl uns im negativen Sinne glauben machen, dass wir zu einer wichtigen Erkenntnis gelangt sind: die Angst wirkt selbstverstärkend; die Erkenntnis verhärtet, verknöchert sich. Umso wichtiger ist es, hier mit Bewusstheit entgegenzuwirken und sich klar zu machen, dass wir mehr sind als die Angst, die dazwischenfunkt, die manipulierend auf unsere Wahrnehmung einwirkt.
Seelenexil — So sehr ich die Gegenwart meiner Freunde auch schätze: es kommt, dass ich sämtlichen Kontakt periodisch meide, ja dabei recht eigentlich der Welt in Gänze entschwinde. Es sind Phasen notwendigen Rückzugs – denn meine Seele, der ich nur in der Einsamkeit wahrhaft begegne, ist mir ebenfalls ein Freund.
Mit dem Begriff des „Herdenmenschen“ kritisiert Nietzsche die geistige Uniformität. Jenes Wort erzeugt allerdings ein Bild, in dem Menschen durch Angleichung an die „Herde“ zu einer amorphen Masse reduziert und ihre individuellen Schicksale ignoriert werden. Unzählige Schicksale erscheinen hier zu einem einzigen zusammengeführt. Der Begriff wirkt daher auf mich stark verkürzend, generalisierend.
Das kulturkritische Schreckensszenario über den „letzten Menschen“, das in Nietzsche`s Zarathustra beschworen wird, – wonach also jeder jedem gleicht – erscheint als ein Phantasma. Denn nichtsdestotrotz: je konzentrierter und ausgedehnter Egalität vorherrscht, umso unvermeidlicher wird der Impuls zur Differenz und damit das Moment des individuellen Auf – und Ausbruchs.
„Je tiefer man in sich hinabsteigt, desto höher kann man aufsteigen.“ sagt Nietzsche – und doch haben wir vor der Gefahr des umgekehrten Umstandes, wonach das Hinabsteigen zu einem Hinabstürzen ausartet, Acht zu geben: es ist die Gefahr der Höhe.
Wenn wir das Leben als ein Wunder betrachten, ist Leid nicht ein Teil davon – als das tragische Element?
Was also ist Leben, wenn nicht ein tragisches Wunder?
Ich ertappe mich dabei, wie ich mir selbst erliege. Ich durchschaue die Muster in mir – jene sich festgesetzten, verselbstständigten meines Verhaltens und registriere die Impulse, die bestimmte Reaktionen hervorrufen. Ich ertappe mich beim Walten meines eigenen Schicksals.
Alles, was uns begegnet – vom Schönen bis hin zum Schrecklichen – ist Ausdruck des Seins.
Im Kapitalismus gibt es nichts, was nicht Ware ist.
Und wo alles zur Ware wird, wird auch alles zur Künstlichkeit.
Mitunter kann es geschehen, dass Stürme losbrechen, ihre Winde tiefblau, und wir aus der Welt fallen – in die Arme der Verlorenheit; und während unsere Farbe gesichtslos pulsiert, verwandeln wir uns in ein bleiches Grau.